Ich bin agiler Berater und Geschäftsführer der it-agile GmbH. In diesen Blog schreibe ich unregelmäßig meine Gedanken zu Themen wie Agile Methoden, Softwareentwicklung, Lean, Business, Internet und anderem.

28.3.13

Was überzeugt Manager an "agil"? Teil 2: Hindernisse

Wenn ich jemanden überzeugen möchte, dann klingt es vielleicht merkwürdig, dass ich auch etwas von den zu erwartenden Hindernissen berichte. Ich bin aber davon überzeugt, dass man den "Preis" für Veränderungen nennen sollte. Denn allzu oft wird nur die neue bunte heile Zukunft gemalt und auf dem Weg bei den ersten Hürden aufgegeben. Um dies zu verhindern, sollte man zumindest generell davon berichten, dass es zu Hindernissen kommen wird.
Bei it-agile beantworten wir die Frage meist sehr global und geben für agile Transitionen von Abteilungen oder Organisationen nur 2 Versprechen: 1. Sie erhalten Transparenz, insbesondere auch über ihre Probleme. 2. Das wird ihnen nicht gefallen!
In meiner Interviewreihe mit Managern habe ich nach Hindernissen gefragt und die Summe der Antworten gibt ein interessantes Bild:

  • Es gibt zuweilen einen nicht unerheblichen Kulturschock: Das kann bedeuten, dass das bisherige Heldentum der Entwickler, der Projektleiter und Manager so nicht mehr gefragt (und belohnt) wird. Es kann aber auch bedeuten, dass "altes" Denken aufgebrochen werden muss z.B. bzgl. des Reportings ("wir hatten immer eine Detailplanung 2 Jahre im voraus!") oder der eigentlich entscheidenden Zahlen (Auslastung alleine bringt keinen Geschäftswert!), aber auch die Werte der Organisation können durchaus den agilen Grundwerten entgegenstehen. So hörte ich neulich von einem Unternehmen, in dem der folgende Leitsatz galt: "Alles gleich beim ersten mal richtig machen!" Schön wär's, agil ist es eher nicht.
  • Die Einbindung der Fach- oder Business-Seite stellt häufig ein Problem dar. Das mag auch daran liegen, dass Organisationen hier dazu neigen, Silos zu bilden, deren Zusammenarbeit sich manchmal schwieriger gestaltet als die Zusammenarbeit mit Externen. Es hat aber auch oft damit zu tun, dass zwar viele der Vorteile agiler Methoden vor allem fürs Business sind, dieses aber vielleicht gar nicht danach gefragt hat und jetzt plötzlich mit vermeintlich geringerer Planungssicherheit und mehr und häufigerer Mitwirkung konfrontiert wird. Zudem sind viele Unternehmen und ihre Mitarbeiter bisher nicht an interdisziplinäres Arbeiten in Teams gewohnt und tun sich damit sehr schwer.
  • Ein häufiges Problem ist es zudem, die Erwartungen klar und messbar zu machen, die mit der Einführung von Agilität verbunden werden. Wenn es z.B: um Produktivität geht, stellt sich die Frage, wie diese gemessen wird. Wie berücksichtigt man geringere Folgekosten durch mehr Qualität? Wie wird Produktivität denn bisher gemessen? Wird auch berücksichtigt, dass wir agil Fehlentwicklungen eher erkennen (was viel Geld sparen kann) oder geht es nur um die reine Implementationszeit von Features? 
  • Zuweilen trifft man auch sehr generell auf Widerstände gegenüber jeglichen Veränderungen. Das ist menschlich und hat vermutlich viele Gründe (und je Organisation ganz unterschiedliche). Entwickler befürchten vielleicht die Transparenz über ihre Arbeit und wissen nicht, was mit dieser Transparenz geschieht. Warum soll eigentlich Agilität eingeführt werden? Was bedeutet es für den einzelnen? Und warum sollten sie mehr Verantwortung übernehmen? Was bekommen sie umgekehrt dafür an auch individuellen Vorteilen?
  • Ich bin ja selbst auch Manager. Die meisten von uns sind ungeduldig. Insofern verwundert es nicht, dass viele in den Interviews davon berichtet haben, dass der Weg länger war als erwartet. Keiner hat ihn aber deshalb abgebrochen. Ich glaube, hier ist es einfach hilfreich, wenn man sich klar macht, dass auch agile Methoden nicht von heute auf morgen wirken und ganz schnell alle Probleme lösen (ohne dabei neue wichtige Fragen aufzuwerfen).

Auch für die Hindernisse gilt wieder (wie schon für die Vorteile aus meinem letzten Blogpost), dass ich hier die Summe aller Antworten wiedergegeben habe. Zum Glück hat nicht jeder Manager alle diese Hindernisse erlebt, aber einige schon auch ziemlich viele der aufgeführten. Es hat sie aber alle nicht davon abgehalten, den agilen Weg weiterzugehen, auch wenn er durch die Hindernisse bei dem einen oder anderen aktuell stockt oder steiniger geworden ist. Wenn Sie also Ihren Chef überzeugen wollen, sprechen Sie nicht über alle hier genannten Hindernisse. Sprechen sie aber schon über die, von denen Sie annehmen, dass sie auch in Ihrem Unternehmen zum Tragen kommen könnten. Vielleicht klappt ja auch bei Ihrem Chef der Managersprech, dass es keine Hindernisse, sondern nur Herausforderungen gibt! ;-)