Ich bin agiler Berater und Geschäftsführer der it-agile GmbH. In diesen Blog schreibe ich unregelmäßig meine Gedanken zu Themen wie Agile Methoden, Softwareentwicklung, Lean, Business, Internet und anderem.

28.3.12

Lean Startup March: Zahlen, bitte!



Heute nach intensivem Abtauchen in unserem Lean Startup mal wieder ein bisschen Erfahrungen. Dieses mal zu Metriken und Messungen.

Seit wir www.discuss2decide.de im Rahmen unseres Lean Startup March am 5. März gestartet haben, versuchen wir intensiv aus dem Nutzerverhalten und den ermittelten Metriken zu lernen.

Hier ein paar Beispiele:

  • Wir haben eine AdWords-Kampagne gestartet, um zu testen, ob es einen Bedarf nach Tools für effektivere Online-Diskussionen gibt. An zwei aufeinanderfolgenden Tagen war unser Budget von 60€/Tag mit jeweils über 100 Klicks binnen 2 Stunden aufgebraucht! Daraus haben wir geschlossen, dass es den Bedarf gibt. 
Aber: Diskussionen haben die „Bedürftigen“ nicht angelegt.
  • Um unsere Webseite/Startseite zu verbessern, haben wir per A/B-Tests zwei unterschiedliche Varianten gegeneinander aufgestellt (eine eher problem- eine eher lösungsorientiert). Es sah so aus, als ob die problemorientierte besser lief, aber in der Zählung wurden wohl von uns angelegte Diskussionen mitgezählt und es gab weiterhin nur eine sehr geringe Anzahl an angelegten Diskussionen. Ein Homepage-Vergleich mit und ohne Video hat auch nur wenig Unterschied ergeben.
  • Unsere Umfrage nach der Nützlichkeit unseres ersten Features „Kategorien für Diskussionsbeiträge“ fand nur 31 Antworten (ca. 50% fanden die Kategorien hilfreich, knapp 30% eher nicht). Sind 15 Leute aussagekräftig genug für die weitere Entwicklung?
Etwas verzweifelt waren wir über die geringe Anzahl echter Benutzer unseres Dienstes und führten es auf zu rudimentäre Funktionalität zurück. Deshalb haben wir uns in der zweiten Woche primär damit beschäftigt, die Features zu bauen, die wir selbst für notwendig halten. Parallele Messungen ergaben keine relevanten Aussagen, so dass wir dazu übergegangen sind, statt quantitativer Messungen und Auswertungen qualitative Interviews zu führen. Davon haben wir ca. 10 geführt und uns weitere Kandidaten für Interviews auf unserer Seite warmgehalten, die wir noch später befragen wollen.
Die Interviews hatten je nach Kontext zwei unterschiedliche Teile:

  1. Im ersten Teil ging es uns um ein besseres Verständnis des Problems "Online-Diskutieren". Hier haben wir z.B. Erkenntnisse darüber gewonnen, dass es für Teilnehmer wichtig ist, dass sie wissen, was mit dem Diskussionsergebnis passiert und wie verbindlich es ist. Daraus ist ein Feature für den Start von Diskussionen entstanden.
  2. Im zweiten Teil haben wir die Verwendung von discuss2decide.com beobachtet bzw. uns beschreiben lassen: Welche Konzepte sind dabei klar, wo hakt die Bedienung? Hieraus ist u.a. die Umstellung unseres Subscription-E-Mail-Benachrichtigungsmodells auf ein Join-the-discussion-Modell entstanden. 
Kurzum: Wenn Du keine ausreichend aussagekräftigen Zahlen hast, dann sprich mit Leuten, die das Problem haben oder sogar schon Benutzer sind!

P.S.: Noch ein paar Zahlen zum Schluss: Wir hatten jetzt über 3.000 unterschiedliche Besucher auf unserer Seite und es wurden mehr als 250 Diskussionen angelegt, der Großteil waren aber Diskussionen zu Testzwecken.