Ich bin agiler Berater und Geschäftsführer der it-agile GmbH. In diesen Blog schreibe ich unregelmäßig meine Gedanken zu Themen wie Agile Methoden, Softwareentwicklung, Lean, Business, Internet und anderem.

4.12.12

Was überzeugt Manager an "agil"? Teil 1: Erhoffte Vorteile

In meinen Schulungen und auch nach Vorträgen oder in Diskussionen auf Konferenzen und Workshops erklären mir immer wieder  Entwickler, dass sie ja gerne auf agil umsteigen würden, aber Ihr Chefs nicht wollen. Deshalb habe ich mich entschieden, dass ich einmal systematisch aufarbeiten möchte, mit welchen Vorteilen man denn Manager für Agilität begeistern kann.
Um nicht nur auf Grundlage meiner eigenen Ideen zu arbeiten, habe ich Kontakt zu Managern gesucht, von denen ich wusste, dass sie sich in den letzten Jahren für den agilen Weg entschieden haben.
Im August und September habe ich also reichlich Telefoninterviews geführt. Dabei habe ich mich vor allem an den folgenden drei Fragen orientiert:
1. Was haben Sie sich einmal von der Einführung von Agilität versprochen?
2. Welche Hindernisse tauchten auf?
3. Welche Vorteile konnten Sie letztlich wirklich beobachten?

Aufsummiert über alle meine Interviewpartner ergab sich folgendes Bild an erhofften Vorteilen:
Bevor Sie jetzt aber mit dieser Liste zu Ihrem Chef gehen, warten Sie doch bitte noch zumindest die nächsten zwei Teile dieser Serie von Blogpost ab, in denen ich noch von den aufgetreten Hindernissen und den tatsächlich erreichten Vorteilen berichte.
Außerdem sei schon an dieser Stelle darauf verwiesen, dass es sich ja letztlich um die Summe an erhofften Vorteilen vieler Interviewpartner handelte. Kein einzelner von Ihnen hat mehr als drei bis vier Vorteile genannt, die er sich erhofft hatte. Das gilt es auch beim Überzeugen zu bedenken, denn es ist nicht clever, jemanden mit Vorteilen zu überhäufen, den die meisten davon gar nicht interessieren. Aber auch dazu mehr in einem späteren Blogpost.

28.3.12

Lean Startup March: Zahlen, bitte!



Heute nach intensivem Abtauchen in unserem Lean Startup mal wieder ein bisschen Erfahrungen. Dieses mal zu Metriken und Messungen.

Seit wir www.discuss2decide.de im Rahmen unseres Lean Startup March am 5. März gestartet haben, versuchen wir intensiv aus dem Nutzerverhalten und den ermittelten Metriken zu lernen.

Hier ein paar Beispiele:

  • Wir haben eine AdWords-Kampagne gestartet, um zu testen, ob es einen Bedarf nach Tools für effektivere Online-Diskussionen gibt. An zwei aufeinanderfolgenden Tagen war unser Budget von 60€/Tag mit jeweils über 100 Klicks binnen 2 Stunden aufgebraucht! Daraus haben wir geschlossen, dass es den Bedarf gibt. 
Aber: Diskussionen haben die „Bedürftigen“ nicht angelegt.
  • Um unsere Webseite/Startseite zu verbessern, haben wir per A/B-Tests zwei unterschiedliche Varianten gegeneinander aufgestellt (eine eher problem- eine eher lösungsorientiert). Es sah so aus, als ob die problemorientierte besser lief, aber in der Zählung wurden wohl von uns angelegte Diskussionen mitgezählt und es gab weiterhin nur eine sehr geringe Anzahl an angelegten Diskussionen. Ein Homepage-Vergleich mit und ohne Video hat auch nur wenig Unterschied ergeben.
  • Unsere Umfrage nach der Nützlichkeit unseres ersten Features „Kategorien für Diskussionsbeiträge“ fand nur 31 Antworten (ca. 50% fanden die Kategorien hilfreich, knapp 30% eher nicht). Sind 15 Leute aussagekräftig genug für die weitere Entwicklung?
Etwas verzweifelt waren wir über die geringe Anzahl echter Benutzer unseres Dienstes und führten es auf zu rudimentäre Funktionalität zurück. Deshalb haben wir uns in der zweiten Woche primär damit beschäftigt, die Features zu bauen, die wir selbst für notwendig halten. Parallele Messungen ergaben keine relevanten Aussagen, so dass wir dazu übergegangen sind, statt quantitativer Messungen und Auswertungen qualitative Interviews zu führen. Davon haben wir ca. 10 geführt und uns weitere Kandidaten für Interviews auf unserer Seite warmgehalten, die wir noch später befragen wollen.
Die Interviews hatten je nach Kontext zwei unterschiedliche Teile:

  1. Im ersten Teil ging es uns um ein besseres Verständnis des Problems "Online-Diskutieren". Hier haben wir z.B. Erkenntnisse darüber gewonnen, dass es für Teilnehmer wichtig ist, dass sie wissen, was mit dem Diskussionsergebnis passiert und wie verbindlich es ist. Daraus ist ein Feature für den Start von Diskussionen entstanden.
  2. Im zweiten Teil haben wir die Verwendung von discuss2decide.com beobachtet bzw. uns beschreiben lassen: Welche Konzepte sind dabei klar, wo hakt die Bedienung? Hieraus ist u.a. die Umstellung unseres Subscription-E-Mail-Benachrichtigungsmodells auf ein Join-the-discussion-Modell entstanden. 
Kurzum: Wenn Du keine ausreichend aussagekräftigen Zahlen hast, dann sprich mit Leuten, die das Problem haben oder sogar schon Benutzer sind!

P.S.: Noch ein paar Zahlen zum Schluss: Wir hatten jetzt über 3.000 unterschiedliche Besucher auf unserer Seite und es wurden mehr als 250 Diskussionen angelegt, der Großteil waren aber Diskussionen zu Testzwecken.

5.3.12

Lean Startup March: discuss2decide.com - 1. Auslieferung an Tag 3

Am liebsten hätte ich schon am Freitag diesen Beitrag geschrieben, dann aber mit dem Hinweis auf "Auslieferung an Tag 2", aber das haben wir dann doch nicht geschafft. Aber fangen wir am Anfang an.

Letzten Donnerstag haben wir uns pünktlich zu siebt zum 1. März in unserem Satellitenbüro getroffen und mit unserem Lean Startup begonnen. Dabei waren wir relativ schnell mit unseren Hypothesen zu Vision, Problem und Lösung in ersten Würfen fertig. Wir hatten uns aber auch schon vorher darauf verständigt, dass wir thematisch an einem Online-Tool für bessere, strukturiertere Diskussionen arbeiten wollen, die zu Entscheidungen führen. Gefährlich mag sein, dass wir ein solches Tool gerade für it-agile gut gebrauchen könnten, aber wir hoffen, jetzt schnell herausbekommen zu können, ob es nicht auch für andere interessant ist.

Nach diesen Hypothesen, die jetzt bei uns an der Wand hängen, haben wir große Mengen von Annahmen und möglichen Features erarbeitet und gewichtet danach, was wir zuerst herausfinden möchten. Daraus hat sich unser 1. Minimal Viable Product (MVP) ergeben, wobei wir entgegen vorheriger Erfahrungen mehr haben wollten als nur eine Umfrage oder Fake-Mocks (zumindest, wenn sich der Aufwand eines "echten" MVP in Grenzen hält). Faktisch hatten wir unser 1. MVP am Freitag Abend fertig, wollten aber noch ein wenig polieren. Das hat heute fast den ganzen Tag gekostet, sich aber gelohnt. Das Ergebnis ist unter www.discuss2decide.com zu bewundern.

Mit diesem ersten MVP wollen wir herausbekommen, ob Leute bereit sind, ein neues Tool statt bisheriger Foren oder E-Mail (oder etwaiger anderer Lösungen) zu verwenden und ob Ihnen die von uns zur besseren Strukturierung eingeführten Kategorien dabei helfen. Feedback willkommen!

29.2.12

Lean Startup March: Ich bin dabei

Ich bin schon ein bisschen aufgeregt, denn ab morgen starte ich gemeinsam mit 6 meiner Kollegen von it-agile unseren Lean Startup March. Wir haben uns über Slack-Zeit bei it-agile und Urlaub einen ganzen Monat freigeschaufelt und wollen ein Startup hochziehen nach den Ideen des Lean Startup von Eric Ries (The Lean Startup: How Today's Entrepreneurs Use Continuous Innovation to Create Radically Successful Businesses) und dem Customer Development von Steve Blank (The Entrepreneur's Guide to Customer Development).
Die Grundidee bei Lean Startups ist der Build-Measure-Learn-Zyklus, in dem validiertes Lernen erfolgt. Es geht also anfangs primär darum, herauszufinden, ob es und für was für ein Produkt es eigentlich einen Markt und Kunden gibt und welche unserer Annahmen diesbzgl. stimmen und welche nicht. Dabei denkt man den Zyklus "von hinten". man stellt sich also die Frage: Worüber möchte ich etwas lernen? Danach fragt man sich, was man wohl messen müsste, um das lernen zu können? Auf dieser Basis entscheidet man, was man minimal bauen muss, um diese Messung zu erhalten. Das muss keinesfalls immer gleich ein System sein, manchmal reicht eine Webseite mit einem Button darauf. Ich verrate inhaltlich noch nichts weiter für heute, aber das wird in den nächsten Tagen folgen.